Tennisschlacht im Fünften

Andy Roddick, der 2003 mit 20 Jahren noch am Anfang seiner Karriere stand, zog seinerzeit als jüngster Spieler seit elf Jahren ins Halbfinale ein. Doch nicht diese Tatsache, sondern die Art und Weise, ging in die Annalen des Tennissports ein: Als der Amerikaner schließlich den Matchball gegen Younes El Aynaoui verwandelte, waren sage und schreibe fünf Stunden vergangen. Bis zu diesem Zeitpunkt das längste Viertelfinal-Spiel in der Geschichte der Australian Open, seitdem die Tie-Break-Regel eingeführt worden war.

Nach vier gespielten Sätzen und einem 4:6, 7:6, 4:6, 6:4, musste Durchgang Fünf die Entscheidung bringen - traditionell ohne Tie-Break, sodass beim Stand von 6:6 noch längst nicht Schluss war: In einem Kampf zweier völlig ausgelaugter Spieler, entschied Roddick die Partie schließlich mit 21:19 im fünften Durchgang für sich. Größten Respekt zollte Roddick anschließend seinem elf Jahre älteren Gegner Younes El Aynaoui, der trotz des Altersunterschieds seinem Kontrahenten konditionell in nichts nachstand.

Seitdem Roddick seine Karriere 2010 beendete, fehlt dem amerikanischen Tennis der große Star. Bei den diesjährigen Australian Open, geht Jack Sock als höchstgesetzter Amerikaner mit einer Quote von 81.00 ins Turnier.

 

Stühle bei der Siegerehrung

Das längste Finale in der Geschichte der Australian Open fand 2012 statt. Novak Djokovic und Rafael Nadal lieferten sich einen epischen Kampf über fünf Stunden und 53 Minuten. Mit 7:5 im fünften Satz entschied  Djokovic die Partei am Ende für sich.

Später berichtete der Serbe, aufgrund der großen Anstrengungen und der Hitze habe er zwischenzeitlich an Halluzinationen gelitten. Bei der Siegerehrung waren beide Spieler derart ausgelaugt, dass sie sich während der Zeremonie nicht mehr auf den Beinen halten konnten; legendär das Bild, als Rafael Nadal einen Stuhl zugetragen bekam. Legendär auch die Leistung beider Akteure. Experten sind sich einig, dass jenes Finale eines der hochklassigsten überhaupt war.

Nach einer enttäuschenden und von Verletzungen geprägten Saison 2017, will Djokovic bei den Australian Open 2018 wieder angreifen. Er geht mit einer Siegquote von 4.50 ins Turnier.

Australian Open 2018

 

Tränen beim Seitenwechsel

Einen der emotionalsten Momente erlebten die Tennisfans bei den Australian Open 1995. Es ist Viertelfinale, die Fans freuen sich das Duell der aktuellen Nummer eins der Welt Pete Sampras und dem Weltranglisten-Elften Jim Courier.

Sampras ist Titelverteidiger, Courier gewann die zwei Jahre zuvor. Es ist ein tolles Match mit spektakulären Ballwechseln. Mal ist Courier oben auf, dann wieder Sampras. Schließlich muss der fünfte Durchgang die Entscheidung bringen. Doch plötzlich laufen Sampras Tränen über das Gesicht, Millionen Fernsehzuschauer verfolgen, wie der Amerikaner immer wieder von heftigen Gefühlsattacken heimgesucht wird.

Grund dafür ist, dass sein Trainer am Vortag aus Australien abreisen musste, um sich einer Untersuchung zu unterziehen. Sampras ahnte zu diesem Zeitpunkt, was sich später bestätigen würde: Tim Gullikson ist schwer erkrankt. Doch als alles danach aussieht, als ob der von seinen Gefühlen übermannte Sampras die Partie abgeben würde, kommt auf einmal wieder die Kraft zurück.

Mit grimmiger Entschlossenheit dreht der Amerikaner die Partie und holt sich den entscheidenden Satz mit 6:3. Wie Millionen Zuschauer, hat auch seinen Gegner Courier die Situation nicht kaltgelassen: Nach dem Ende fallen sich die Spieler am Netz in die Arme. Ein großer, emotionaler Moment der Sportgeschichte. 

 

Becker macht’s gegen Lendl

96 Jahre mussten vergehen, ehe 1991 mit Boris Becker zum ersten Mal ein Deutscher in „Down Under“ gewann. Doch der Triumph war nicht der einzige Meilenstein, nach dem Turnier stand Becker auch zum ersten Mal überhaupt auf Rang Eins der Weltrangliste. Dabei fing das Finale gegen seinen ewigen Rivalen Ivan Lendl zunächst alles andere als vielversprechend an.

Er gab den ersten Satz ab und musste sich im Zweiten behandeln lassen. Doch dann folgte Becker-typisches Powertennis und eine Netzattacke nach der anderen. Nach vier Sätzen beendete der Leimener mit einem wuchtigen Vorhand-Winner die Partie und stand zum ersten Mal ganz oben in der Tenniswelt. Legendär ist sein Ausspruch nach der Siegerehrung: „Das ist ein unglaublicher Moment für mich. Ich kann nicht viel sagen, es tut mir leid“.

Seit Becker nicht mehr aktiv ist, wartet das deutsche Herrentennis auf einen ähnlich dominanten Akteur. In der Setzliste bei den anstehenden Australian Open ist Alexander Zverev, dem so einige zutrauen in die Fußstapfen von Becker zu treten, am höchsten gesetzt. Seine Quote auf den Turniersieg steht bei 12.00.

 

Kerbers Bad im Yarra River

2016 sorgte Angelique Kerber für den ersten Grand-Slam-Sieg einer Deutschen seit Steffi Graf 22 Jahre zuvor. Die Deutsche bezwang im Finale die haushohe Favoritin Serena Williams. Kaum jemand erinnerte sich da noch an die erste Runde: Kerber stand damals nämlich schon kurz vor dem Aus. Gegen die Japanerin Misaki Doi musste Kerber einen Matchball abwehren - wäre dieser eine Ballwechsel anders verlaufen, so wäre die deutsche Sportgeschichte um ein einschneidendes Ereignis ärmer. 

In drei hart umkämpften Sätzen setzte sich Kerber im Finale schließlich gegen Serena Williams durch. Anschließend löste die Deutsche auch noch pflichtbewusst eine Wette ein: Sie sprang am Tag nach dem Triumph in den Yarra River. Die Wette hatte sie schon Jahre zuvor mit ihrem Trainer vereinbart: Sollte sie einmal in Melbourne gewinnen, dann würde sie in den Fluss springen.

Nicht überliefert ist, ob Kerber die Aktion bei einem erneuten Triumph wiederholen würde: Bei den Australian Open 2018 tritt sie mit einer Quote von 17.00 auf den Turniersieg an. Doch Kerber war nicht die Erste, die das Bad wagte: Schon 1992 war Jim Courier nach seinem Triumph zusammen mit seinem Coach in den Fluss gesprungen. Im Jahr darauf wiederholte Courier seinen Triumph - und das Bad im Fluss.

Er ließ sich auch nicht davon abschrecken, dass die Verschmutzungswerte des Yarra seinerzeit um das 18-fache den Wert überschritten, der gefahrloses Baden ermöglicht hätte. Geschadet hat ihm das Bad jedoch allem Anschein nach nicht: Auch danach holte der Amerikaner noch mehrere Titel. 

Australian Open 2018

 

Wassereinbruch und menschliche Tennisbälle

Neben großen sportlichen Momenten hält die Geschichte der Australian Open auch eine ganze Reihe von skurrilen Ereignissen bereit. Als 1995 das Herrenfinale vorbei war, erwarteten die Zuschauer im ausverkauften Centre Court noch das Finale im Mixed: Doch die Zuschauer mussten einige Geduld mitbringen, denn plötzlich stand das Stadion unter Wasser. 

Ein Defekt in der Entwässerungsanlage sorgte dafür, dass das Wasser knietief auf dem Feld stand. Erst nach mehreren Stunden waren die Probleme behoben und das Spiel konnte doch noch stattfinden.

Legendär ist auch der Einfallsreichtum australischer Fans, wenn es ums Verkleiden geht: Während der zwei Turnierwochen tummeln sich als Tennisbälle verkleidete Fans ebenso wie Anhängerinnen, die sich mit Sombrero-Hüten im XXL-Formal gegen die australische Sonne schützen. Nicht zu Unrecht titulieren sich die Australian Open selbst als „Happy-Slam“, bei dem jeder auf seine Kosten kommen soll. 

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888sport

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