Beim nächsten Formel 1 Rennen am Wochenende wird gleich in doppelter Hinsicht Geschichte geschrieben. Denn zum ersten Mal wird auf der Rennstrecke in Mugello der große Preis der Toskana ausgetragen werden. Und zudem wird der Eigentümer des Kurses, die Scuderia Ferrari, seinen historischen 1000. Grand-Prix bestreiten.

Wir zeigen Euch daher, was ihr vor dem anstehenden Wochenende wissen müsst, stellen Euch die Strecke genau vor und blicken noch einmal auf die großartigsten Ferrari Momente aus den bisherigen 999. Rennen zurück.

Das letzte Chaos-Rennen

Die Fans der Scuderia Ferrari mussten in den letzen Rennen sehr tapfer sein, denn in der aktuellen Saison ist der ehemalige Spitzenrennstall einfach nicht konkurrenzfähig.

Das zeigt sich zum Beispiel daran, dass beide Ferrari Piloten bisher jeweils zweimal nicht in die Punkte gefahren sind und zusammen insgesamt fünfmal das Rennen aufgrund von Unfällen oder eben technischen Problemen gar nicht erst beenden konnten – so auch in der vergangenen Woche beim Heimrennen in Monza…

Dabei hätte Ferrari wohl ausgerechnet bei diesem Rennen die besten Chancen seit langem gehabt, immerhin gab es das Überraschungs-Podium schlechthin… Zum ersten Mal seit acht Jahren fuhr nämlich weder ein Mercedes-, noch ein Ferrari- oder ein RedBull-Pilot unter die ersten Drei.

Zu Beginn des Rennens sah fast alles nach einem erneuten Sieg von Lewis Hamilton aus, der vom Start an das Feld dominierte. Sebastian Vettel musste sein Auto indes bereits nach der siebten Runde in der Boxengase abstellen, da seine Bremsen versagt hatten.

Doch in der 20 Runde nahm das Chaos von Monza seinen Lauf… Kevin Magnussen musste sein Auto aufgrund von Motorenproblemen in der Nähe der Boxeneinfahrt abstellen und verursachte damit eine Safety-Car-Phase, durch die das Feld wieder näher zusammen rückte.

Der führende Hamilton und Antonio Giovinazzi nutzten diese Gelegenheit, um sich neue Reifen an der Box zu holen, doch genau das war der Fehler! Die Boxengasse war nämlich nicht offiziell geöffnet, da Magnussen zu nahe an der Einfahrt stand, weshalb ein Einfahren in die Box eine Strafe bedeutete – beide bekamen eine durchaus harte 10-Sekunden-Stop-and-Go-Strafe aufgebrummt.

Doch nachdem das Rennen in der 24. Runde wieder freigegeben wurde, hatten die beiden nicht einmal die Chance, ihre Strafe abzusitzen, da bereits in der 25. Rennrunde der nächste Aufreger folgte: Charles Leclerc verlor nach einem Fahrfehler die Kontrolle und landete abseits der Strecke in einem Reifenstapel, blieb jedoch zum Glück unverletzt.

Dennoch wurde der Grand-Prix wegen der aufwändigen Aufräumarbeiten mit der Roten Flagge unterbrochen… Für die restlichen Fahrer im Feld ging es also zunächst zurück an die Box. Rund 20 Minuten später durften die Piloten wieder auf die Strecke und fuhren eine Aufwärmrunde hinter dem Safety Car, ehe es einen stehenden Start gab.

Obwohl Hamilton nach dem Re-Start vorne blieb, warf ihn die Strafe schnell bis ans Ende des Feldes zurück. Im weiteren Rennverlauf sollte er zwar noch ein paar Plätze aufholen können und am Ende auf Rang sieben fahren, doch die Spitze des Feldes führte dieses Mal ein ganz anderer an.

Nachdem Hamilton nämlich seine Fahrt in die Box angetreten hatte, übernahm Pierre Gasly die Führung – und der junge Franzose würde sie das restliche Rennen nicht wieder hergeben! Gasly bekam von hinten zwar gewaltigen Druck von Carlos Sainz, der fünf Runden vor Schluss nur noch eine Sekunde Rückstand auf den Führenden hatte, doch fuhr unbeirtt sein Rennen weiter und ließ seinen Verfolgern keine Chance zum Überholen.

In einem spannenden Rennen, wie man es schon lange nicht mehr gesehen hat hieß die Reihenfolge am Ende Pierre Gasly vor Carlos Sainz Jr. vor Lance Stroll.

Für alle drei Fahrer war es das zweite Formel-1-Podium ihrer Karriere. Stroll fuhr bereits 2017 beim Großen Preis von Aserbaidschan auf den dritten Platz, während Carlos Sainz 2019 beim  Großen Preis von Brasilien Dritter wurde. Beim selben Rennen in Brasilien wurde Gasly Zweiter. Für den jungen Franzosen war es also der erste Sieg in der Königsklasse des Motorsports.

Damit hat sich das „Wunder von Monza“ für AlphaTauri – ehemals Toro Rosso – wiederholt. Denn 2008 feierte das Team seinen ersten und einzigen Sieg. Damals wie heute war Monza die Siegesstrecke, nur mit dem Unterschied, dass Sebastian Vettel 2008 seinen ersten Triumph im Formel-1-Cockpit feierte…

Vorstellung des Autodromo Internazionale del Mugello

Auf dem Autodromo Internazionale del Mugello wird zum ersten Mal ein Formel 1 Grand-Prix ausgetragen, da sonst Monza die Hauptrennstrecke in Italien ist. Doch Motorsportfans dürfte die Strecke trotzdem ein Begriff sein, immerhin ist sie Eigentum von Ferrari und wird von der Scuderia für Testfahrten genutzt. Zudem werden Rennen in der Motorrad-Weltmeisterschaft und DTM dort ausgetragen.

Die Strecke ist 5245 Meter lang und konnte in der MotoGP in 1:45,519 Minuten vollendet werden, wenn am Wochenende die Formel-1-Boliden an den Start gehen, werden die Rundenzeiten natürlich deutlich geringer sein – der inoffizielle Formel-1-Rundenrekord wurde 2004 von Rubens Barrichello aufgestellt, der 1:18,704 Minuten für eine Umfahrt benötigte. Insgesamt werden die Fahrer am Sonntag 59 Runden bestreiten müssen.

Onboard mit Sebastian Vettel in Mugello.

Die Strecke besteht aus 15 Kurven (sechs links und neun rechts), doch das besondere an ihr ist die Start- und Zielgerade, denn sie ist 1141 Meter lang – und damit eine der längsten, die in diesem Jahr gefahren wird – endet leicht bergauf, bevor sie in eine 180-Grad-Kurve übergeht, auf die eine Links-Rechts-Schikane folgt.

Anschließend können die Fahrer auf einer kurzen Gerade etwas verschnaufen, ehe es in eine noch schwieriger zu fahrende Links-Rechts-Schikane geht. Es folgen zwei abfallende 90-Grad-Rechtskurven.

Daraufhin wird in einer lang gezogenen 90-Grad-lLinkskurve gefahren, auf die eine kurze Gerade folgt, die dann in eine steile 90-Grad-Rechtskurve übergeht, ehe eine schwierige bergauf verlaufende 70-Grad-Kurve folgt, in die „blind“ eingelenkt werden muss.

Nach eine erneuten Gerade folgen eine 190-Grad-Rechtskurve und dann eine Links-rechts-Schikane, die wieder in einer Geraden endet. Zum Abschluss der Runde müssen die Fahrer die fallende 190-Grad-Linkskurve – genannt „Bucine“ nehmen, ehe sie sich wieder auf der Start-Ziel-Geraden befinden.

Einer der größten Ferrari Momente

Wir haben euch bereits die besten Rennen in der Formel 1 vorgestellt doch zu Ehren des 1000. Ferrari Grand-Prix zeigen wir Euch noch einen der besten Scuderia Ferrari Momente. Und dafür haben wir uns den Belgien Grand-Prix 2004 ausgesucht – bei diesem Rennen wurde Michael Schumacher nämlich zum insgesamt siebten Mal und vierten Mal mit Ferrari vorzeitig Weltmeister.

Es ist gefühlt ewig her, dass Ferrari noch mit der Konkurrenz mithalten konnte, doch 2004 war die Welt der Scuderia noch in Ordnung. Denn bereits vor dem Rennen war klar, dass Michael Schumacher und Teamkollege Rubens Barrichello den WM-Titel unter sich ausmachen würden. Doch am Ende war wie so oft „Schumi“ der Glückliche.

Das Beste von Michael Schumacher aus der Saison 2004.

Schumacher und Spa passte nun mal einfach. Dort fuhr er 1991 sein erste Formel-1-Rennen, gewann 1992 seinen ersten Grand-Prix, fuhr 1995 von Platz 16 zum Sieg, gewann noch viele weitere Male auf der Strecke und fuhr schließlich 2004 beim 700. Ferrari Grand-Prix auf Platz Zwei und machte damit seinen siebten WM-Titel klar. Und auch in der Konstrukteurswertung lang Ferrari wieder einmal alleine vorne.

In dieser unglaublichen Saison gewann Schumacher 13 der 18 Rennen – 12 davon bereits in den ersten 13 Rennen! Damit stellte er einen seiner vielen Rekorde mit Ferrari auf.

Nun, 16 Jahre später, gibt es nochmal einen Gänsehaut-Moment in der Formel 1. Denn Mick Schumacher, der Sohn des siebenmaligen Weltmeisters, der selbst Rennfahrer ist, wird am Wochenende in Mugello im F2004-Wagen seines Vaters – also mit demselben legendären Auto, das „Schumi“ 2004 zu seinem Titel verhalf – einige Runden drehen.

Prognose

Obwohl Mercedes beim letzten Rennen einen Dämpfer verkraften musste, geht Lewis Hamilton einmal mehr als Favorit ins Rennen. Zudem haben auch Valtteri Bottas und Max Verstappen gute Chancen auf das Podium.

Obwohl in Mugello alles im Zeichen des Ferrari-Jubiläums gestaltet sein wird, hat Bernd Mayländer, dessen Safety Car aus gegebenem Anlass rot lackiert sein wird, wohl bessere Chancen das Rennen anzuführen, als die Scuderia…

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* Die Rechte am Bild liegen bei Shizuo Kambayashi / AP Photos *

Über den Autor
Von
Julia Wurdack

Julia studiert aktuell Sportwissenschaft an der TUM und absolviert seit Juni ihr praktisches Studiensemester bei der Firma mmc sport in München.

Neben ihrem Spezialgebiet Fußball verfügt sie außerdem über umfangreiches Wissen in der Formel 1 und im Wintersport.
 

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