Eine strenge Aufarbeitung wird nötig sein, um diesen Scheiterhaufen wieder aufzubauen. Vor allem mit Blick auf die Heim-EM 2024 bleibt nicht viel Zeit, um die deutsche Nationalmannschaft wieder zu rehabilitieren. Aber was lief bei dieser WM überhaupt falsch? 

Die Spiele

Eigentlich gar nicht so viel, wie man eigentlich meinen könnte. Gegen Spanien hat man ein solides Spiel absolviert und hätte am Ende sogar noch gewinnen können. Gegen Japan hatte man nach der ersten Halbzeit alles im Griff und müsste eigentlich spätestens in der 60. Minuten mit drei Toren führen. 

Hätte, müsste, sollte… Der Konjunktiv ist vielleicht das größte Problem dieser WM gewesen. Denn oft hatte man ja alles im Griff und ließ sich dann durch kleine Unachtsamkeiten oder taktische Kniffe des Gegners aus der Fassung bringen. Selbst gegen Costa Rica lag man nach souveräner ersten Halbzeit zwischenzeitlich zurück. 

dfb

Es fehlt die Selbstverständlichkeit, mit der Deutschland noch vor acht oder zwölf Jahren zu Turnieren gefahren ist. Sobald es schlecht läuft, scheint es in den Köpfen der Spieler mehr zu rattern als noch vor ein paar Jahren. Doch woran liegt das?

Die Mannschaft

Der deutsche Kader hat in den letzten fünf Jahren einen krassen Umbruch durchgemacht. Neuer Trainer, neue Führungsspieler, neue Talente: Es ist nicht mehr viel übrig von dem Team, dass einst in Brasilien triumphiert hat.

Natürlich darf das keine Ausrede sein, denn Eingewöhnungszeit gab es für die meisten jetzt schon mehr als genug. Aber trotzdem müssen diese Spieler erst in ihre neuen Rollen reinwachsen. Ein weiteres Problem, das sich aus dem Umbruch hervorgetan hat, sind die Lücken, die im Kader entstanden sind. 

Eine Topnation wie Deutschland sollte, bei allem Respekt, nicht mit zwei Neuner zur WM fahren, die entweder bei einem Aufsteiger spielen oder noch 17 Jahre alt sind. Genauso wenig wie man einen Rechtsverteidiger mitnimmt, der die ganze Saison verletzt ist oder einen Linksverteidiger, der ein katastrophale Hinrunde gespielt hat. 

hansi

Auch Hansi Flick hat im Nachlauf der WM gesagt, dass sich in der Jugendarbeit im DFB einiges ändern muss. Denn dass solche essentiellen Positionen im Team der deutschen Nationalmannschaft nicht besetzt werden können, darf eigentlich nicht sein.

Was nun?

Zumindest ein paar Lichtblicke hat es bei dieser WM trotzdem gegeben: Jamal Musiala hat gezeigt, dass er der Star dieser deutschen Mannschaft für die nächsten zehn bis 15 Jahre sein kann. Und mit dem ganzen Talent, das jetzt schon in der Nationalmannschaft spielt und sich aus den U-Mannschaften aufdrängt, sollte die Nahe Zukunft erstmal abgesichert sein. 

Aber was passiert mit dem Rest? Was passiert mit Thomas Müller, mit Manuel Neuer - und mit Hansi Flick? All diese Fragen lassen sich wohl noch nicht beantworten. Fakt ist aber, dass es beim DFB einen Umbruch geben muss, der mit dem Rücktritt von Oliver Bierhoff auch schon in die Wege geleitet wurde. 

Ob und wie erfolgreich sich dieser Umbruch gestalten wird, ist unsicher und bleibt abzuwarten. Das nächste Pflichtspiel für die deutsche Nationalmannschaft wird das Eröffnungsspiel der EM 2024 sein und spätestens dann wird abgerechnet.


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Über den Autor
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Luis studiert im 7. Semester Medienwissenschaft und allgemeine Rhetorik an der Universität Tübingen. Seit November absolviert er ein freiwilliges Praktikum bei mmcSport in München. 

Luis interessiert sich vor allem für Fußball und Tennis, daneben aber auch für Formel 1 und Darts.

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