Laut Wörterbuch bezeichnet der Begriff E-Sport „den sportlichen Wettkampf zwischen Menschen mit Hilfe von Computerspielen“. Für eingefleischte – und auch freizeitmäßige – Fans von Videospielen ist dies kein neues Konzept.

E-Sport gibt es im Prinzip seit 1970 und hat seitdem stetig an Beliebtheit gewonnen. LAN (Local Area Network) Turniere mit mehreren Spielern erreichten den Höhepunkt ihrer Beliebtheit um die Jahrtausendwende.

Diese wurden aufgrund des technologischen Fortschrittes schließlich von Online-Multiplayer-Spielen abgelöst.

Für viele außerhalb der Gaming-Welt mag E-Sport etwas seltsam erscheinen; etwas, das als Ausrede erfunden wurde, um den ganzen Tag an der Konsole oder dem Computer zu spielen und dadurch Ruhm (und in manchen Fällen Reichtum) zu erlangen.

Dies ändert sich jedoch nach und nach – und das zu einem großen Teil aufgrund der Investitionen traditioneller Sportmannschaften. Auf dem Papier scheint es, als haben der traditionelle Sport und der E-Sport keine Gemeinsamkeiten. Es ist ein Fall von „wirkliche gegen virtuelle Welt“, und doch haben die beiden einiges gemeinsam.

Dazu gehören strenge Trainingspläne (viele professionelle E-Sport-Spieler trainieren mindestens 50 Stunden pro Woche), körperliche Beanspruchung (E-Sport bringt Verletzungsrisiken mit sich) und die begeisterte (manchmal sogar fanatische) Unterstützung von Fans, die das Geschehen verfolgen.

In dieser Hinsicht sind sich beide Sportarten sehr ähnlich.

Welche traditionellen Vereine investieren in den E-Sport?

Wenig überraschend sind es die Mannschaften, in deren Sportarten Simulationsspiele beliebt sind, die Zeit, Geld und andere Ressourcen in den E-Sport investieren. Die niederländischen Fußballvereine Ajax und PSV Eindhoven haben sich getraut, die noch junge Welt des professionellen Gaming zu betreten.

Sie verpflichteten einen professionellen FIFA-Spieler beziehungsweise sogar einen ganzen Kader von FIFA E-Sport-Profis. Auch Sporting Lissabon, Schalke 04, Wolfsburg und Manchester City sind in verschiedenen Ausmaßen beim FIFA E-Sport dabei.

Sogar West Ham hielt an seinen Plänen für FIFA fest, obwohl es nach der Verpflichtung von FIFA-Profi Sean „Dragonn“ Allan viel Kritik gab. Sie waren der erste britische Fußballverein, der den E-Sport für sich entdeckte.

Auch die NBA 2K League, eine E-Sport-Initiative für professionelle Basketball-Gamer, hat mittlerweile 21 NBA-Teams. Nachdem es in der ersten Saison es nur 17 Mannschaften waren, kamen für die 21 der zweiten Saison die Atlanta Hawks, die Brooklyn Nets, die Los Angeles Lakers und die Minnesota Timberwolves dazu.

Obwohl die oben genannten Fälle zu den bekanntesten Beispielen traditioneller Sportmannschaften und deren Teilnahme am E-Sport gehören, sind manche Klubs auch in E-Sport-Spielen ohne Bezug zur eigenen Sportart involviert.

Der FC Schalke kaufte beispielsweise das League of Legends Team „Elements“. Die Verpflichtung eines Teams, das an einem Videospiel über Magie, Zaubersprüche und Drachen teilnimmt, schein auf den ersten Blick nicht wirklich relevant zu sein, selbst wenn es auch in League zwei Spielhälften gibt, von denen die eigene verteidigt werden muss.

Valencias Fußballklub investierte in Rocket League und Hearthstone. In einer Pressekonferenz musste man deshalb Fragen zur Definition von E-Sport beantworten.

 Währenddessen sind die auch Golden State Warriors, die Houston Rockets sowie die Sacramento Kings an League of Legends Teams beteiligt. Dies Zeigt, dass traditionelle Sport-Teams beim E-Sport eher Interesse an Potential und Talent als an eindeutiger Markenrelevanz haben.

Warum ist E-Sports für „echte“ Sport-Teams interessant?

Wenn es um Markenrelevanz geht, ist es wichtig zu beachten, warum Mannschaften aus traditionellen Sportarten überhaupt in den E-Sport investieren.

Die Antwort darauf besteht aus zwei Faktoren. Der offensichtliche Teil ist das Umsatzpotential. In einem Newzoo-Bericht vom Februar 2018 heißt es, die E-Sport-Branche werde am Ende des Jahres einen Wert von 905,6 Milliarden US-Dollar haben.

Der Grund dafür liege besonders beim Anstieg des Investments von Marken (48 Prozent). Allerdings geht es nicht nur um lukrative Markenverträge oder um das Maximieren des Gewinnpotentials von bereits bestehenden Sponsoren.

Es werden auch komplett neue Einkommensmöglichkeiten geschaffen. eSports Wetten sind beispielsweise stark im Kommen: Dabei können Fans Wetten auf E-Sport-Events verschiedener Art abschließen.

Dazu gehören Spiele wie League of Legends, Overwatch, Rocket League und Counter Strike: Global Offensive. Sportmannschaften können Geld verdienen, indem sie mit E-Sport-Wettanbietern zusammenarbeiten, oder durch den Zugewinn neuer Fans, deren Interesse ursprünglich durch Wettmöglichkeiten geweckt wurde.

Stichwort „neue Fans“: E-Sports ist außerdem eine gute Möglichkeit, sich neuen Gesichtern zu präsentieren. Da es weltweit bereits Milliarden an Sportfans gibt, besteht kein Mangel an Leuten, die zu Spielen gehen und Fan-Trikots kaufen.

Allerdings gibt es eine zunehmende Zahl von jungen Menschen, die verglichen mit älteren Generationen keinen wirklichen Bezug zu den traditionellen Sportarten haben. Jüngere Leute haben seltener einen Fernsehanschluss, worüber traditionell Profi-Sport geschaut wird.

Außerdem sind sie häufig ärmer als vergangene Generationen und können sich daher kaum oder sogar gar keine Fanartikel leisten. Viele von ihnen haben jedoch Internet und damit Zugang zu E-Sport-Streams. Deshalb ist die professionelle Gaming-Branche eine kluge Methode, Fans zu erreichen, die ansonsten kaum Zugang zu Traditionssportarten hätten.

Was sind die Vorteile für den E-Sport selbst?

Es sind jedoch nicht nur die traditionellen Teams, die von den Partnerschaften profitieren. Auch für den E-Sport selbst gibt es einige große Vorteile, wie die größere Publicity und höhere Akzeptanz.

Wie haben bereits erwähnt, dass der E-Sport teilweise Schwierigkeiten hat, sich bei den Massen zu etablieren. TV-Sender zeigen (gelegentlich) E-Sport-Turniere im Fernsehen und einige Leute außerhalb der Gaming-Szene sind mit dem Konzept des E-Sports vertraut - viele sind es allerdings nicht.

Um wahrhaftig aufzublühen, muss es ein vielschichtiges Angebot für verschiedene Zielgruppen geben: Sei es der nach Statistiken lechzende Anhänger, der jedes Spiele sehen will und bei allen Social-Media-Challenges der Spieler dabei sein möchte, oder diejenigen, die gar keinen Plan haben und das Wort „Meta“ googlen müssen.

Gibt es etwas, das mehr Glaubwürdigkeit bringt als die Unterstützung eines Premier League Teams? Die Englische Premier League ist der am meisten verfolgte Wettbewerb der Welt. Deshalb behaupten wir, dass der Support dieser Mannschaften einen großen Unterschied macht.

Die finanzielle Unterstützung professioneller Spieler sowie Beiträge zum Schaffen einer E-Sport-Infrastruktur (inklusive neuer, lukrativerer Turniere) macht ebenfalls viel aus.

Können wir weiterhin mit diesen Investitionen rechnen?

Viele der Partnerschaften zwischen E-Sports-Teams und traditionellen Mannschaften hat erst in den letzten Jahren begonnen. Gemessen am jetzigen Zustand der Branche kann man damit rechnen, dass es so weiter geht.

Viele professionelle Sportler, unter anderem MLB Teams wie die Milwaukee Brewers, die den Miller Park Jumbotron nutzten, um Fortnite zu spielen, sind selbst Gamer.

Auch Spieler der englischen Nationalmannschaft spielten in ihrer Freizeit bei der Weltmeisterschaft Fortnite und da wären auch die zahlreichen Sportler, die Fortnite als Inspiration für ihre Siegesjubel nutzen. Zwar ist es nur eines der Spiele mit einer E-Sport-Präsenz, es zeigt allerdings, dass Leute auf allen Ebenen des Profi-Sports etwas davon mitbekommen.

Viele Mainstream-Marken bewegen sich bereits in Richtung des E-Sports. Dazu gehört Vodafone als Sponsor der ESL sowie der Autohersteller Toyota, der die Overwatch League sponsert.

Es wird deutlich, dass die Investition in E-Sports für traditionelle Sport-Teams ein kluger Schachzug ist, um mehr Ruhm und Reichtum zu erlangen und Fans für sich zu gewinnen.

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888sport

Hier im 888sport-Blog gibt es die besten Tipps unserer Wettexperten. Wer ist gut drauf? Wer kriegt die Kurve? Und wer macht den Abflug? Wir haben die Fakten. Und gerne auch mal eine klare Meinung über die verrückte Welt des Sports.

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